Ländlicher Raum oder landwirtschaftlicher Raum

Die Politik in Deutschland ist urban geprägt. Die großen Entscheidungen finden regelmäßig in Hauptstädten statt, die nun einmal Großstädte sind. Je nach Abgrenzung leben zwischen 50% und 70% der Bevölkerung in urban geprägten Regionen. Entsprechend lebt also die andere Teil auf dem Land.

Es gibt recht unterschiedliche Abgrenzungsansätze beim ländlichen Raum. Typischerweise hat er eine geringe Bevölkerungsdichte und ist dem Erscheinungsbild nach landwirtschaftlich geprägt.

Das zentrale Wort ist „Erscheinungsbild“, denn das Bild führt zu einer seltsamen Verzerrung. Werfen wir einen Blick auf das Mininsterium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden Württemberg.

Stand 14.11.2018 sieht die Website so aus:

Demnach besteht der ländliche Raum hauptsächlich aus Landwirtschaft und weitere Primärsektoren.

Was für ein Bild vom Land wird da vermittelt?

Auf dem Land zu leben, hat für die wenigsten etwas mit Landwirtschaft zu tun. In Zahlen: Auf ganz Deutschland bezogen sind 650.000 Arbeitskräfte (bereinigt um Saisonarbeitskräfte) in der Landwirtschaft tätig (Quelle: destatis 2016). Auch wenn man berücksichtigt, dass an jedem Arbeitsplatz im Primärsektor weitere Arbeitsplätze hängen, so kann man der Landwirtschaft selbst im ländlichen Raum hinsichtlich der Arbeitsplätze nur noch eine Nischenrolle zusprechen.

Der starke Mittelstand hat der Landwirtschaft in unserer Region längst den Rang abgelaufen. Die vielen Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe bilden längst das gesellschaftliche und wirtschaftliche Rückgrat im ländlichen Raum. Hinzu kommen etliche  „Hidden Champions“, also Mittelständler von Weltrang, die mit Ihren Innovationen unsere Region zukunftssicher machen.

Deshalb setze ich mich dafür ein, unseren so lebenswerten ländlichen Raum auch in der Politik nicht so sehr auf die landwirtschaftlichen Aspekte zu reduzieren.